Donnerstag, 4. Dezember 2014

Gewerkschaftsarbeit oder: GEW, ade!

Nach langem Überlegen beim gestrigen Mittagessen:
"Ich glaube, ich trete aus der GEW aus!"
Mutter: "Bist Du verrückt?"
Tante: "Du spinnst doch!"
Ich: "Leute, Mensch, was ist denn jetzt los? Ich bin erwachsen, ich habe meine Gründe - wollte Ihr mich jetzt enterben, mir das Mittagessen mit Euch verbieten - was ist denn los?!"
Onkel: "Du warst immer schon latent rechts! Als nächstes wählst Du noch CDU und trittst in den Philologenverband ein?!"
Ich: "Das mit dem Philologenverband überlege ich ehrlich....!"
Onkel: "Ich sage es ja, Du warst ja schon immer latent rechts!"
SCHWEIGEN....
Mutter: "Andererseits.... ich bin auch ausgetreten....ABER ICH HATTE GRÜNDE!"
Tante: "Ich auch!"
Onkel: "Ich war nie drin!"
Ich: "AHA! SEHT IHR! Ich habe AUCH Gründe!"
Tante (und Mutter): "DU hast MICH aber noch nicht nach MEINEM gefragt!"
Onkel: schweigt. "Aber dass Du dann gleich so EXTRTEM sein musst und bei den Philologen eintreten *tsts*......"
Schweigen. Was soll man DAZU noch sagen?

Sonntag, 28. September 2014

Man sieht nur mit dem Herzen gut...

... ach ja?

Schommal drüber nachgedacht?

Wie oft handelt man wirklich so, wie es einen das romantisierende und gesellschaftlich überstrapazierte Zitat aus dem Kleinen Prinzen heißt?

MAN SIEHT NUR MIT DEM HERZEN GUT - DAS WESENTLICHE IST FÜR DAS AUGE UNSICHTBAR.
Ein schöner Satz, ein freundlicher Gedanke....

Nochmal ehrlich sein...: die fette Nachbarin, die olle Schabracke, der Proll, der abgeratzte Verkäufer, die frechen Kackbratzen, der räudige Köter, die arroganten Porschefahrer....
Zitat schon mal selbst verwendet?
Na?

Ich verwende den Satz aus gutem Grunde nicht. Denn was ich mit dem Herzen manchmal so zu sehen kriege, öffnet mir die Augen....

Freitag, 2. Mai 2014

Schlangen und das Radrennen um Eschborn

Der Mensch ängstigt sich vor Schlangen. Er fühlt sich durch sie bedroht, selbst wenn sie noch son harmlos ist, verfällt in eine Art Schockstarre, wird in seiner Todesangst in ein Paralleluniversum katapultiert, denn die Schlange bedroht ihn in der Dauer seiner Lebenszeit.

Er sieht eine und nimmt reflexartig reißaus.
Das führt dazu, dass Menschen Schlangen meiden, sie fürchten um ihr Leben und versuchen, ihnen aus dem Weg zu gehen. Sie meiden sie um jeden Preis, entdecken sie eine hinter einem Busch, schleichen sie um sie herum und versuchen, auch auf Kosten anderer, den Kontakt mit der Schlange zu verhindern.

Gestern standen wir hinter einer Schlange.

Wir waren im Opel-Zoo im Taunus, an dem das Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt“ vorbei führte.
 
Einfach nur an der Strecke mitgefilmt: Rund um den... Opel-Zoo 2014


Dieser Anlass führte, wie allen Anwesenden im Vorhinein bekannt war, zu Schlangen. Im Zoo, zum Zoo hin, vom Zoo weg. Wartezeit: eine Stunde bei der Ausfahrt vom Parkplatz - im Regen, der aber bis dato nicht eingesetzt hatte, sprich: alle Schlange-Warter hatten einen schönen, angenehmen Tag (von eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten und Diskrepanzen einmal abgesehen) und saßen nun im beheizten Wagen.

Aber, wie wir wissen, alles hat Ende. Auch die Schlange hatte zwei - eines am Anfang, eines am Schluss. Ende der Menschlichkeit.

Wir waren in der Mitte, zu der ein verzweifelt aussehender Mensch sich schließlich im Regen und zu Fuß vorgearbeitet hatte. 
Ob wir ein Überbrückungskabel hätten. Ich spürte die Fragezeichen auf meiner Stirn greifbar werden.
Ähm, ja, klar. 
Meine Schwester, die Kinder alle im Auto, bugsierte die Riesenkarre an der Schlange vorbei. Sie sah bedrohlich aus, zuckte aber nach leisem Protesthupen vor uns zurück.
Der Mann, also das Auto, für das er das Überbrückungskabel brauchte, stand am Anfang der Schlange, in Kopfnähe, dort, wo es am gefährlichsten ist, der Kopf schnappt blitzschnell zur Seite, quert die Straße nach links oder rechts, ob nun Tiere, Kinder oder versprengte Radfahrer im Weg sind, ist ihr egal - Opfer sind Kollateralschäden.

Seine Freundin im Wagen wartend. Wie sich später herausstellte, seit EINER STUNDE. Die Hilfs-Aktion dauerte vier Minuten.

Die Schlange hatte sich fortwährend an ihm vorbei geschoben, und wenn der ADAC wüsste, dass über geschätzte zweihundert Autos ohne Überbrückungskabel durch die Landschaft fahren, würde er seine Vertragsmodalitäten verändern....

Am Ende bekamen wir zehn Euro. Ich weiß nicht, wofür - die beiden Hilfe suchenden sagten, es sei, weil wir die ersten, die einzigen, waren, die ihnen nach über einer Stunde halfen. 
Ablehnen war zwecklos - sie wollten etwas "wieder gut machen". 
Da fielen mir die Fahrer von zweihundert Autos ein, die etwas "wieder gut machen" müssten. Nunja, "wieder" setzt voraus, dass sie schon einmal etwas gut gemacht haben.....




Ich denke, man muss ab heute nicht mehr fragen, wieso ich ein "misanthropisches Menschenbild" habe!


Keine Schlange, aber auch gemein:

 
Im Einzelfall giftiger als eine Schlange: fiese Echse....

Fiese Exen.... sind ein anderes Thema! Das allerdings scheint vorwiegend nur den männlichen Teil der Gesellschaft etwas angeht. Schlangen wirken sich hingegen offenbar geschlechtsunspezifisch als Charakterdeformation aus.

Sonntag, 23. März 2014

Apropos "böse"

Sagte ich eben, ich sei B-Ö-S-E?
Ich bin SEHR böse.

      
Für den Messerwerfer echt schwierig....


...... NICHT die Frau zu treffen.






Zum Trost: Aber ein dreijähriges Mädchen sagte: "Mama, die Frau sieht gaaaanz schön aus!"... mhm, ja... wenn man nicht das Gesicht oder den Bauch meint, schon!

So böse wie SIE sind die wenigsten Menschen - DANKE auch!

Ich hatte meinen Schulschlüssel verloren. Dachte ich. Da sagte mir eine Schülerin, als ich meinen Schlüssel suchte und den 850 Schülern meiner Schule vor mich hin fluchend und zitternd unterstellte, jemand habe ihn geklaut, um Schindluder damit zu treiben: "Sie müssen nicht immer so von sich ausgehen! Es sind nicht alle Menschen so böse wie SIE!"

Ein deutliches Zeichen dafür, dass es zeit war, nach acht Staffeln Dr- House mal abstinent zu werden.

P.S.: Ok, die Schülerin hat die Wahrheit gesagt. Ich bin Misanthrop und stehe dazu. Gibt es Selbsthilfegruppen?

Sonntag, 2. März 2014

Warum der Wasserkocher ein solcher ist

Ich habe ja, wie viele andere auch, einen Hauptberuf. Meiner trieb mich mit einer Horde Siebtklässler in die Einöde schöne Landschaft der schwäbischen Alb.
Dort, im Februar besonders heimelig, in einer Seminarunterkunft, durften die kleinen pubertierenden Mistkäfer lieben Heranwachsenden sich in den ersten Gehversuchen zur Selbstständigkeit üben.
Das gelang mittels einkassierter Handys dank pädagogisch sinnvoller Maßnahmen vergleichsweise gut.
Also so ganz ohne Internet - von wegen Selbsterfahrung...

Am letzten Tag wussten sie, dass man es nicht binnen fünf Minuten schaffen kann, den Ofen für die Aufbackbrötchen vorzuheizen, die Milch zu kochen, den Kaffee durchlaufen zu lassen, die Marmelade abzufüllen, Äpfel aufzuschneiden, die Brötchen zu backen und das Ganze dann auch noch wegzuräumen. Nein, man muss dazu eine Stunde früher aufstehen, wenn man Frühstücksdienst hat. Vor allem, wenn an diesem Tag eine ganztägige Exkursion geplant ist, die unter dem zeichen der Selbstorganisation steht und der rest der Klasse sich im Blutrausch zu Hyänen entwickelt.

Und wenn man zu all diesen Erfahrungen - von Aufbackzeit bis Weckdienst - kein Handy hat, muss man sogar richtig kreativ werden.

UND sie lernten AUCH, dass es NICHT gut ist, aus Zeitgründen Milch im Wasserkocher zu kochen.
Sie lernten, dass Dinge ihren Namen bekommen, der die Tätigkeit definiert - oder umgekehrt.
Dass Stockbrot so heißt, weil man zum Backen einen STOCK braucht.
Sie lernten, dass man den Lappen aus dem Klo nicht für den Tisch verwenden soll und dass beim Ausschütteln von Tischdecken seltsame Dinge in den Garten fallen, die man dann auch wieder aufsammeln muss.
Sogar den Unterschied zwischen Papiermüll und Biomüll lernten meine Lieben - und was passiert, wenn man drei Tage nciht drauf achtet un dann alles wieder trennen muss.

Sie erfuhren, dass Teamtraining NICHT funktioniert, wenn einer aus der Gruppe alleine über die Straße geht und der Rest kopflos hinterher rennt.
Sie lernten, dass es sinnvoll ist, Wegweiser zu lesen, weil sonst nur die Hälfte am Ziel ankommt und der Rest im Wald bleibt, und sie lernten, dass es NICHT gut ist, Lehrer vor dem ersten Kaffee anzusprechen.

Mittlerweile wissen diese Kinder auch, dass Taschenmesser scharf sind, Fingerkuppen schnell ab und dass man Äpfel mit braunen Stellen immer noch essen kann.

Ja, der Lehrerberuf - ein netter Teilzeitjob mit viel Freude, bei dem man junge Menschen auf das Leben nach dem Abitur vorbereitet. Oder in anderen Worten: Augen auf bei der Berufswahl, Kinder!

Mittwoch, 12. Februar 2014