Montag, 11. Juni 2018

Bölls Irisches Tagebuch und Das Grüffelokind - zwei Bücher, die ich wichtig finde #Blogparade #BücherdiemeinLebenveränderthaben



Allein schon beruflich lese ich ja irre viel. Muss man als Deutschlehrerin ja auch - und darf deswegen sogar alle Bücher steurlich absetzen. Berufslesen also: Kinderbücher, Jugendbücher, Märchen, Sagen, Weltliteratur. Und dann gibt es noch das Konsumlesen. Krimis, Thriller, Comics, Graphic Novels. Das Wissenslesen von Jagdgesetzen, Veterinärmedizin, linguistischen Fachkompendien und Reiseführern. Und dann das Zeitvertreibslesen von Zeitschriften, Zahncremetuben, aber eben auch von Büchern: Trivialliteratur.
Und nun soll ich also im Rahmen einer Blogparade über EIN BUCH, DAS MEIN LEBEN VERÄNDERTE schreiben. 

Das geht kaum. Denn letztlich verändert jedes Buch dein Leben.
Nach jedem Buch, das Du liest, hast Du eine andere Welt, eine andere Sichtweise und und vielleicht auch einen anderen Teil Deiner Selbst kennengelernt. Manche Bücher katapultieren Dich in andere Welten, manche Bücher bringen Dich nicht nur metaphorisch voran - und manche Bücher holden Dich wieder in die Wirklichkeit zurück. Du kannst fliehen, eintauchen, den Horizont erweitern - jedes Buch ist eine Reise irgendwohin.
Zwei Bücher haben mein Leben aber doch ganz konkret verändert.
Da war nämlich Heinrich Bölls "Irisches Tagebuch", das ich vor meiner ersten eigenen Irlandreise las. Als Kind und Jugendliche lokalisierte ich Irland geographisch in der Nähe des Irak und des Iran.
Phonetisch passte das - und semantisch auch: Länder, in denen Krieg wegen des Glaubens ist beginnen also mit "Ir-"!
Dann las ich Bölls Tagebuch - und es eröffnete sich eine ganz, ganz andere Welt. Böll beginnt das Tagebuch mit den Worten „Es gibt dieses Irland: wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor.“ - und ich war gespannt, denn vorstellen konnte ich mir nicht, was er meinte, als ich das Tagebuch auf der Hinreise zwischen Stuttgart und Wexford las. 

Denn zwischen dem Erscheinungsjahr und meiner Reise lag fast ein halbes Jahrhundert. Umso erstaunter war ich, als mir die Menschen, die Böll beschreibt, begegneten (obwohl ich im Süden und er im Westen und Nordwesten war).
Eamonn, der alte irische Rebell, Pete, ein Busker aus Wales, der sich nach seinen Kämpfen im Falkland-Krieg nach Irland zurück zog, Butch, der Hostelier, bei dem ich in Wexford arbeitete und Ritchie, ebenfalls aus Wales, der im gleichen Hostel arbeitete und Eve from Belgium, die dort die Betten machte. Alles waren sie Unikate, die ich während meiner kurzen Ferien-Arbeit im Kirwan House kennenlernte. Nicht aus Bölls Buch, aber Leute, die ich wohl nur durch Bölls Auftakt so wahrnehmen konnte, wie sie waren. Böll öffnete meinen Blick für die Menschen, wie sie waren, weil er 50 Jahre vorher eben dies als zu erhoffen beschrieb. Irland nimmt und gibt die Menschen in ihrer ganzen Person, nicht in ihrer Fassade. Und so zeigt Irland Dir auch die Ruinendörfer, die von früher künden und Dir geschichten schenken, wie Böll sie fiktiv erlebte. Das irische Tagebuch eröffnet mit seinen Kurzgeschichten rund um Land und Menschen diese Hoffnung, die Sehnsucht, die wir alle haben. gesehen zu werden, wie wir sind und zu spüren, was ist. Es geht in Irland, nicht in dem Buch allein, um das Wesentliche und um die Freude am Leben im Moment. Es geht um den Regen in deinem Gesicht, wenn am Horizont der Regenbogen glänzt und Du weißt, dass da Sonne ist. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen, die einem gehört.
Auch 2017 noch. Da war ich nach langer Pause einmal mehr in Dublin, zusammen mit meiner Freundin Julia und den Schülern unserer Obersufe, da gab es dieses Irland noch.
„Es gibt dieses Irland", dieses unmittelbare, menschliche, warme und regnerische, das lebensfrohe und zugleich melancholische, das Irland der Vergangenheit und das Irland der Gegenwart. Sicher auch eines der Zukunft - aber genau darum geht es nicht. "Wer aber hinfährt und es nicht findet, hat keine Ersatzansprüche an den Autor", denn es liegt an dir, ob Du es sehen kannst oder nicht.

 ... das zweite Buch, eine Adaption des Märchens "Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen", ist...

.. DasGrüffelokind! Zum einen ist es ein unglaublich schönes Buch über Mut, Neugierde und die Ängste der Eltern. Zum anderen ist es ein Buch, das meine Kinder zeitweise jeden Abend vorgelesen haben wollten. Manchmal zweimal, manchmal dreimal.
Fast wäre mir das Buch auf den Geist gegangen. Dann aber hatte ich die rettende Idee: ich würde mich einfach konservieren. Aufnehmen. Und dann meinen Kindern das Buch vorlesen, so oft sie wollten. Aber wie? Wo?
Naja... es war die Zeit des beginnenden YouTube-Hypes. Also: dort!
Mein Leben hat das Ganze deswegen verändert, weil ich so überhaupt mit diesem Medium anfing umzugehen. Weil mir dort unqualifizierte Kommentare begegnen - und ich lerne, sie nicht ernst zu nehmen. Weil ich durchschaue, dass es vielen Menschen gar nicht mehr um genau das geht, was man bei Böll erfährt. Und weil ich lerne, dennoch in dieser Welt zu leben. Denn sie hat Irland!
... DAS GRÜFFELOKIND
 











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